der herausforderer: meine näh-unerfahrene wenigkeit.
der gegner: ein yukata.
das ziel: ein cosplay für die mmc berlin.
verbleibende zeit: 16 tage.
schuld ist die letzte leipziger buchmesse. wenn man einmal blut geleckt hat ist es schwer, die vielen cosplayer zu sehen, die einem dort über den weg laufen, und nicht in nostalgie zu ertrinken bezüglich des eigenen ersten cosplays, das schon einige jahre zurückliegt. die nächste (und erste wirklich echte) con, der ich beiwohnen werde, ist die mmc in berlin, und ich habe mir fest vorgenommen, dort im cos zu erscheinen.
der hintergrund
nach einigen ideen für passende charaktere (hoch im kurs stand lange zeit lan fan aus fullmetal alchemist und wurde später ergänzt von soi fon und noch ein wenig später gar der rukia nach dem zeitsprung, beide aus bleach) hatte ich schließlich die eingebung beim schauen des natsume yūjin-chō-animes: hiiragi, eine ayakashi (eine art dämon), ist genau das, was ich brauche: sie hat eine maske (konträr zu dem wunsch eines neuen cosplays werde ich absolut nicht gerne fotografiert – und selbst mit den im nachhinein nicht so tollen anbu-cosplays vor 4 jahren wurden wir einige male um ein foto gebeten), trägt ein relativ einfaches kostüm (den oben erwähnten yukata) und sollte unbekannt genug sein, um nicht allzu oft angesprochen zu werden. da ich wie ebenfalls oben schon erwähnt absoluter anfänger in sachen nähen (im alten cosplay war es im grunde nur die “weste”, die tatsächlich selbst genäht war) und auch sonst handwerklich nicht großartig begabt bin möchte ich den prozess der cosplay-herstellung dokumentieren und mit den fehlern und problemen, denen ich dabei begegne, vielleicht dem ein oder anderen helfen, der ähnliche ambitionen verspürt. deshalb legen wir auch direkt los.
die planung
wer cosplayen möchte braucht natürlich vor allem eines: referenzbilder. mein erster anhaltspunkt dafür waren diverse cosplay-seiten und deviantart, wo ich nach cosplayern suchte, die sich schon vor mir an diesem kostüm versuchten, um gewissermaßen abzugucken, wie sie an die sache herangegangen sind. das erste, was mir dabei auffiel, war die masken-problematik – dank des anbu-cosplays erinnere ich mich gut daran, wie schwer die gips-masken am ende waren, und einen pappteller als grundlage wollte ich auch nicht verwenden.
außerdem würde es schwer werden, mit einer maske ohne löcher für die augen eine messe zu besuchen, also erinnerte ich mich der szene in der geschichte, in der hiirragi (zu diesem zeitpunkt noch ohne namen) vorgestellt wird und an dessen ende ihre maske bricht und ein auge freigelegt wird. damit entschied ich mich also im grunde für ein hiiragi-cosplay, bevor sie überhaupt diesen namen annimmt (mit dem namen verändert sich auch ihr äußeres ein wenig), aber solche details sollen nicht weiter stören.
das zweite problem kam natürlich in der form, dass ich keine ahnung habe, wie man überhaupt einen yukata näht – anfangs suchte ich noch nach nähanleitungen für kimonos, doch da die bekanntlich (?) gefüttert sind und ich mir das nun doch nicht zutraute stieg ich lieber auf einen yukata (also einen sommer-kimono) um, der im grunde ähnlichkeiten mit einem kleid hat.
das dritte problem war der haori (kimonojacke), den hiiragi über ihrem kimono/yukata trägt. ein normaler haori ist ungefähr hüftlang, ihrer jedoch geht bis zu den knöcheln. glücklicherweise kann man ja aber maßangaben nach eigenem gutdünken ändern.
einzig die frisur schien mir anfangs noch das geringere problem – tatsächlich ließ ich meine haare schon eine längere zeit über mit dem gedanken des hiiragi-cosplays im hinterkopf wachsen. da die figur allerdings blond ist und mir dann später zugetragen wurde, dass sich dunkle haare nicht mal eben blond tönen lassen, habe ich mich nun doch dazu entschieden, eine perücke zu kaufen. damit wuchs die liste der zu besorgenden dinge nun doch schon etwas an, aber niemand hat behauptet, ein cosplay wäre einfach zu machen.
schritt 1: die richtige nähanleitung.
wer noch nie in seinem leben etwas nach muster genäht hat wird wie ich mit großen augen und blinkenden fragezeichen vor einem schnittmuster sitzen. ein solches war zu einem kimono schnell gefunden (kimono und yukata werden auf ähnliche art und weise genäht), doch als ich mir youtube-videos dazu ansah verließ mich eigentlich fast wieder der mut. glücklicherweise fand ich aber auch noch richtige anleitungen für komplett-anfänger, die mit etwas verständlicherer sprache erklären, wann was gemacht werden soll, weshalb nun eigentlich nur noch das problem der maße besteht, die in jeder anleitung irgendwie anders lauten und mich nach wie vor etwas verwirren. immerhin habe ich mittlerweile raus: der stoff sollte die maße 1,5 x 3 m haben.
schritt 2: der hanjuban.
meine nachforschungen bezüglich japanischer kleidung führten mich in ein ganzes regiment vorher unbekannter regeln, die zum tragen eines kimono dazugehören, angefangen mit dem unterkimono, dem juban. dazu gehört so etwas wie ein hemd, über dem der nagajuban gezogen wird (vielleicht mit einem unterkleid zu vergleichen). über den nagajuban kam ich dann zum hanjuban (han bedeutet halb, und genauso kann man sich das teil auch vorstellen: wie ein bis zu den hüften reichender juban), der, wie eine nähanleitung behauptete, zusammen mit einem tsukeeri (das ist ein kragen, der nicht direkt angenäht ist, sondern sozusagen über den hanjuban geschnallt wird; siehe auch die bilder unter obigen links), einfacher zu nähen sei. super gelegenheit, das nähen überhaupt ersteinmal auszuprobieren, dachte ich, und machte mich direkt ans werk.

links der tsukeeri, rechts der frisch gewaschene (und zerknitterte) hanjuban. und mein neues nähzeug.
in weiser voraussicht hatte ich beim letzten heimbesuch ein altes weißes bettlaken mitgenommen, das irgendwann einmal zu zwecken des cosplays in einem schrank gelagert worden war, und fing direkt an, die ersten teile herauszuschneiden. dabei lernte ich zwei wichtige aspekte des nähens kennen: man braucht auf jeden fall eine stoffschere und sollte, wenn möglich, lieber etwas großzügiger (und vor allem gerade) schneiden. das ergebnis meiner ersten nähversuche sind nun merhfach akkupunktierte fingerkuppen, diverses neues nähsortiment und ein nicht unbedingt ansehnlicher, unfertiger hanjuban (da kommen eigentlich noch ärmel, sode, ran und ein suso, also eine art rock, dazu, aber ob ich das noch mache steht in den sternen), der mir dummerweise zu klein ist. aber aller anfang ist bekanntlich schwer.
der tsukeeri ist derweil in der mache, allerdings fehlen mir noch ein paar weiße schnüre, die ich unwillig bin, aus meinen stoffresten zu nähen (das alles per hand zu machen ist mit der zeit anstrengend, weshalb ich für den tatsächlichen yukata die nähmaschine eines kumpels belagern werde.)
zwischenschritt: zōri und zeitbedingte änderungen.
zōri besitze ich dank des letzten japanfestivals in berlin schon, hatte allerdings von anfang an bedenken, selbige zu tragen, da ich in latschen und ähnlichem schuhwerk absolut nicht laufen kann und ungern meinen neuen persönlichen sillywalk erfinden wollte.
um mich bei der messe also nicht zum trottel zu machen habe ich mir überlegt, meine zōri einfach zu einer art sandalen umzufunktionieren und dafür schon einmal provisorisch einen zusätzlichen riemen für die ferse angebracht. da kommt dann noch etwas schwarzer stoff rum, damit das etwas ansehnlicher wird, und später der yukata drüber. auf die schuhe guckt ja eh keiner. hoffe ich.
da diverse andere dinge mich leider sehr von der arbeit an dem cosplay abhalten fasste ich schließ-lich die entscheidung, für die mmc noch die manga-version von hiiragi zu portraitieren. dort trägt sie nämlich anfangs nur den weißen kimono und bekommt erst später, wenn sie dann schon ihren neuen namen angenommen hat, die schwarze jacke sowie ein schwert (ein chokutō, wenn ich mich nicht täusche) dazu.
im anime jedoch trägt sie von anfang an den haori und zudem einen violetten juban (die farbe des juban sowie auch des kimono an sich ändern sich dummerweise öfter mal) + passendem obi (der “gürtel”). färbemittel habe ich zwar nun schon besorgt, aber das wird ja nicht schlecht, weshalb juban und obi vorerst weiß bleiben werden.
die fertigung der maske – dieses mal wohlweislich mit hilfe einer pappmaché-grundlage und fimo-überzug) wird hoffentlich am wochenende ausgeführt werden (sobald ich mehl für den tapetenkleister gekauft habe, den man nämlich auch wunderbar selber machen kann, wenn man keine lust hat, 5 euro für eine bastelladen-miniflasche auszugeben bzw. gleich einen ganzen eimer im baumarkt erstehen zu müssen.)



